Lesung mit Matthias Politycki

Matthias Politycki am Gymnasium Puchheim Podiumsdiskussion mit Matthias Politycki

Sprache ist Musik

so lautete nur eine der vielen Botschaften des Schriftstellers, Essayisten und letztjährigen Kurators des Münchner Literaturfests – Matthias Politycki, der am Mittwoch, den 11.1.2012 am Gymnasium Puchheim zu Gast war. Die Veranstaltung unterschied sich allerdings erheblich von den sonst üblichen Autorenlesungen an Schulen, denn Matthias Politycki las den Schülerinnen und Schülern der Q 11 und Q 12 nicht einfach aus seinem jüngsten Roman vor, sondern gab ihnen einen Überblick rund um das Schreiben von Essays, einer Textsorte, die Thema im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe ist, wobei der neue Lehrplan des G 8 die Beschäftigung mit dieser Textsorte allerdings anders gewichtet: Die Schülerinnen und Schüler sollen die Essays nicht nur rezipieren und analysieren. Im Deutschabitur sind jetzt auch Auf-gabenstellungen möglich, bei denen sie produktiv tätig werden und selbst Essays schreiben. Wer wäre da nicht besser geeignet, den Schülerinnen und Schülern das Essay-Schreiben nahezubringen, als Matthias Politycki, der zu den wichtigsten Essayisten der deutschen Gegenwartsliteratur gehört.

Es war für das Gymnasium Puchheim ein Glücksfall, dass der renommierte Autor sich bereit erklärte, den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe einen Einblick in sein Schreiben zu gewähren. Sich über Dinge aufzuregen, den Reiz, einen Sachverhalt von vielen verschiedenen Seiten zu beleuchten und den eigenen Standpunkt in Form von Gesprächen mit anderen Menschen zu entwickeln, seien für ihn wichtige Grundvoraussetzungen, einen Essay zu schreiben. Man müsse aber auch mutig sein, wenn es darum geht, wütende Reaktionen von Lesern auf die oft polemische Auseinandersetzung mit Sachverhalten auszuhalten. Auch wenn sich für das Schreiben von Essays keine verbindlichen Kriterien festlegen lassen, die die Schüler gerne gehört hätten, ermunterte Politycki diese beim Schreiben insgesamt selbstbewusster zu sein, sich freizuschwimmen von festgefahrenen Gedankenmustern, um so ihren Texten mehr Leben einzuhauchen. Wie der erste und letzte Kuss einer Leibesbeziehung entscheiden auch die ersten und letzten Zeilen über die Qualität eines Textes. Das schulische Schreiben von Erörterungen in der Mittelstufe habe dabei durchaus seine Berechtigung, um das Schreiben zu trainieren. Das „Selbstdenken“ und ein sicheres Gespür für Sprache seien dann aber nicht nur eine wichtige Grundlage für das weitere erfolgreiche Schreiben, sondern werden zur „Visitenkarte im Leben“.

In dem anschließenden Podiumsgespräch mit Frau Dr. Stemmer-Rathenberg und Laurens Kultschytzky (Q 12) betonte Matthias Politycki noch einmal die zentrale Bedeutung der Sprache beim Schreiben: „Sprache ist Musik“ - sie muss einen Rhythmus haben, denn erst dann entfaltet sie ihre Wirkung!

Dr. Anke Stemmer-Rathenberg