„Es kann nicht genug Biographien aus dieser Zeit geben“

Mirjam Pressler liest am Gymnasium Puchheim

„Eine Lebensbeschreibung, wie ich sie mir wünsche, sollte zeigen, welches Leben gelebt wurde im Vergleich zu dem, das hätte gelebt werden können.“ Nur wenige Menschen kennen das Tagebuch der Anne Frank so genau wie Mirjam Pressler, die am Montag, den 20. März am Gymnasium Puchheim zu Besuch war und den Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Jahrgangsstufe aus ihrer Lebensgeschichte der Anne Frank, die unter dem Titel "Ich sehne mich so" erschienen ist, vorlas. Die Schülerinnen und Schüler, die sich im Vorfeld der Lesung im Deutschunterricht intensiv mit der von Mirjam Pressler neu übersetzten Fassung des Tagebuchs der Anne Frank auseinandergesetzt und ihre Ergebnisse in einer umfassenden Ausstellung im Schulhaus präsentiert haben, konnten nun von Mirjam Pressler selbst noch mehr über das Leben der Anne Frank, die 1945 im KZ Bergen-Belsen starb, erfahren. Im Mittelpunkt der Lesung standen zunächst auch weniger die historischen Ereignisse, sondern das Mädchen Anne Frank selbst. Beeindruckt hat die Schülerinnen und Schüler besonders die Tatsache, dass Anne Frank, die zu diesem Zeitpunkt ungefähr so alt war wie sie selbst, trotz der beengten Verhältnisse in dem Hinterhaus in Amsterdam, das der Familie Frank und fünf weiteren Untergetauchten als Versteck diente, nie ihre Lebensfreude und Mut verloren hat. Wie das gelingt, konnte Mirjam Pressler den Schülerinnen und Schülern eindrücklich schildern, indem sie nicht nur Antwort darauf gab, wie die acht Bewohner im Hinterhaus ihren Alltag gestalteten, sondern auch darauf hinwies, welche wichtige Bedeutung gerade das Lernen und Lesen für Anne Frank hatte. Mirjam Presslers Lebensgeschichte der Anne Frank ist es aber auch zu verdanken, dass das Wissen über das Schicksal der Anne Frank nicht mit Annes letztem Tagebucheintrag abbricht, sondern sie hat das Schicksal der acht Versteckten nach ihrer Verhaftung weiter recherchiert und berichtete den Schülerinnen und Schülern wie Anne Frank zusammen mit Margot, ihrer älteren Schwester, und ihren Eltern im September 1944 mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert wurde und wie Anne zusammen mit ihrer Schwester weiter nach Bergen-Belsen gebracht wurde, wo die beiden Mädchen in dem hoffnungslos überfüllten Lager an Typhus erkrankten und starben.

Anke Stemmer-Rathenberg

Mirjam Pressler liest aus ihrem Buch vor. Mirjam Pressler signiert. Mirjam Pressler wird von den Schülern interviewt.