Die letzten 12 Tage bis zum heiligen Abend und Weihnachtsfest zählt unsere Schülerzeitung dieses Jahr auf ganz besondere Weise, durch einen Adventskalender der Artikel. Jeden Tag ein neues Türchen, jeden Tag ein neuer Artikel, der auf der Schulhomepage hochgeladen wird.
An Tag 11 gibt es ein Interview.
Inklusion und Integration beim Sport – Im Gespräch mit Louisa Reiß
von Magdalena Rohe
Wie ist das, wenn man sich anders fühlt? Was soll man tun, wenn man keinen Anschluss findet, weil man eine körperliche oder mentale Beeinträchtigung hat, oder nicht dieselbe Muttersprache spricht? Hier kommt die junge Trainerin Louisa Reiß aus der 11D ins Spiel, die sich freundlicherweise für ein Interview bereit erklärte.
Sie unterrichtet Kinder im Grundschulalter beim FC Puchheim im Bogenschießen und versucht dabei jedem eine Chance zu geben, egal wie schwierig es manchmal sein mag, ihre Denkweisen zu verstehen oder eine teils sehr kurze Konzentrationsdauer auszugleichen. Hier erkennt man die Inklusion. Für Louisa bedeutet dieser Begriff, dass man jedem Menschen, egal mit welchem Päckchen die jeweilige Person kommt, die gleichen Möglichkeiten und Chancen gibt.
Die junge Trainerin nimmt selbst bereits seit 1,5 Jahren Unterricht im Bogenschießen und hat irgendwann angefangen beim Training der Jüngeren mitzuhelfen, um ihren eigenen Leistungsfortschritt zu verbessern. Sie meint, dass das Wichtigste dabei sei, jedes Mal beim Schießen den gleichen Ablauf zu befolgen, der viel mit einem richtigen Stand und der Position der einzelnen Körperteile zusammenhängt. Laut ihr ist es für manche Schützen schwierig, genug Geduld aufzubringen, da es beim Bogenschießen sehr lange dauern kann, bis man Erfolg sieht.
Kommunikationsprobleme können auch immer wieder auftreten, was jedoch kein Problem für Louisa darstellt. Falls jemand etwas nicht verstanden hat, fragt sie einfach nach, wie sie es in Zukunft besser erklären kann und geht so individuell auf jeden ihrer Schülerinnen und Schüler ein. Sich häufig in andere hineinversetzen zu müssen – vor allem da zu ihrem Training meistens zwischen 8 und 12 Kinder kommen – kann verständlicherweise nicht immer ganz so einfach sein. Die Schützen sind allerdings motiviert, neue Dinge zu lernen, da sie Spaß an dem Sport haben. Auch ist Louisa nie komplett allein, denn sie wird von einem erwachsenen Trainer unterstützt. Diese beiden Faktoren machen es leichter für sie, Fertigkeiten gut zu vermitteln. Zusätzlich dazu baut sie ihr Training grundsätzlich immer sehr ähnlich auf, nur spezielle Bereiche können jede Woche variieren.
Durch diesen Nebenjob, wo sie mit vielen individuellen Menschen in Kontakt tritt, konnte sie viel offener und unvoreingenommener werden. Noch dazu konnte sie dabei das Erklären üben, wodurch sich für sie mehr Spielraum geboten hat, das Training auf verschiedene Arten zu gestalten. Es gibt ja nicht nur einen einzigen Weg, jemandem etwas klarzumachen: Man kann etwas beschreiben, erklären, vormachen, usw.. Außerdem eröffnen die gesammelten Erfahrungen einen Einblick in Arbeitsfelder, bei denen man viel mit Menschen zusammenarbeitet. Diese kann sie sich auch irgendwann als feste Arbeit vorstellen, jedoch möchte sie sich jetzt noch nicht endgültig festlegen. Bei einer Sache ist sich die junge Louisa dafür sicher: Den Ausblick, weiterhin mit Menschen zu arbeiten, will sie nicht missen.
Schlussendlich bleibt noch zu sagen, dass Leute, die sich dafür engagieren, dass unsere Gesellschaft ein großes Ganzes wird, in dem niemand ausgeschlossen wird, auf jeden Fall ein riesiges Lob und unsere Anerkennung verdienen. Trotz der Schwierigkeiten, die diese Arbeit mit sich bringt, kann es auch wirklich schön sein und viele neue Erfahrungen schaffen. Niemand sollte eine schlechtere Chance haben, aufgrund einer Beeinträchtigung – sei es mentaler, körperlicher oder anderer Art. Jeder verdient es, sein volles Potential ausschöpfen zu können. Am Ende hat doch jeder von uns Schwächen, egal ob größere oder kleinere, und es liegt an jedem einzelnen von uns zusammenzuarbeiten und sich somit gegenseitig unter die Arme zu greifen. Als eine große Gemeinschaft können die schwierigsten Herausforderungen in machbare Situationen umgewandelt werden.

