Die letzten 12 Tage bis zum heiligen Abend und Weihnachtsfest zählt unsere Schülerzeitung dieses Jahr auf ganz besondere Weise, durch einen Adventskalender der Artikel. Jeden Tag ein neues Türchen, jeden Tag ein neuer Artikel, der auf der Schulhomepage hochgeladen wird.
An Tag 3 wollen wir euch die Geschichte eines kleinen Weihnachtswunders an unserer Schule erzählen. Voller Solz berichten wir euch von der Stadtratskandidatur unserer Mitschülerschülerinnen und Mitschüler und im Besonderen, eines Mitglieds unserer Redaktion…
Unsere Mitschülerinnen und Mitschüler kandidieren für den Puchheimer Stadtrat
– Fabian Reißmüller als Spitzenkandidat
Dass junge Menschen sich politisch engagieren, ist an unserer Schule nichts neues – doch nun gehen unsere Mitschülerinnen und Mitschüler der Q13 um das langjährige Mitglied unserer Schülerzeitungs-Redaktion, Fabian Reißmüller, einen Schritt weiter. Fabian, seit sechs Jahren in der Redaktion aktiv und vielen von euch aus dem alljährlichen Verkauf der Zeitung bekannt, kandidiert bei der kommenden Kommunalwahl in Puchheim als Spitzenkandidat für einen Sitz im Stadtrat.
Ebenfalls kandidieren auf weiteren Listenplätzen unter anderem Teya Stoykova, Tarik Kuč, Elena Isufi, Robin Staiger, Arda Cavusoglu, Johannes Reiner, Khais Al-Murad und Amir Jadidi.
Alle Kandidierenden sind Schülerinnen und Schüler in der Q13 und alle setzen sich individuell in ihrer politischen Arbeit seit Jahren aktivistisch besonders für Themen ein, die viele Jugendliche direkt betreffen: konsequenter Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, aktiv gegen Rechts einstehen und stärkere Jugendrepräsentation.
Ihr erklärtes Ziel ist es, die Perspektiven junger Menschen in Puchheim sichtbarer zu machen, ihnen eine Stimme im politischen Alltag der Stadt zu geben und so einen Gegenpol zum hohen Durchschnittsalter im bisherigen Stadtrat zu bilden.
Im Mittelpunkt ihrer Kandidatur steht vor allem direkte Bürgerbeteiligung, welche sie durch ein ständig offenes Ohr für alle Puchheimerinnen und Puchheimer und die Forderung an die Stadt, Bürger- und vor allem Jugendbeteiligung strukturell zu fördern, verdeutlicht.
Um mehr über ihre Motivationen, Ziele und Sicht auf die kommunale Politik zu erfahren, haben wir ein Interview mit dem Kopf der Gruppe und Spitzenkandidaten, Fabian Reißmüller, vorbereitet.
Redaktion: Fabian, du bist selbst noch Schüler. Was hat dich dazu bewegt, für den Stadtrat zu kandidieren?
Fabian: Ich habe schon immer versucht ein ausgeprägtes Verständnis der Probleme unserer Zeit zu verinnerlichen und vor ein paar Jahren beschlossen, diesen auch aktiv und organisiert zu begegnen. Vor allem die Klimakrise ist für mich eine sehr persönliche Aufgabe, da sie viele junge Menschen meiner Generation beschäftigt, womit mein Aktivismus auch genau dort gestartet hat: in der linken Klimabewegung Münchens. Dadurch konnte ich mich gut vernetzen und so schließlich mit Gleichgesinnten eine insgesamt 16 köpfige Liste junger, engagierter Menschen für die Kommunalwahl kommenden März zusammenstellen, eine der größten Jugendbeteiligungen auf einer Liste zur Stadtratswahl im gesamten Landkreis.
R: Wie hast du die Diskussionen auf kommunaler Ebene bisher erlebt – und wo fehlen deiner Meinung nach junge Stimmen?
F: Sie fehlen Überall, die Stadt hat zwar derzeitig wenig finanzielle Mittel, aber Jugendarbeit leidet schon seit Jahren und müsste nicht mal viel kosten. Zu zeigen, dass man sich für die Jugend interessiert und ihre Probleme wahr- und vor allem ernst nimmt, wäre schonmal ein riesiger Schritt. Für eine kurze Zeit durfte ich dem Puchheimer Jugendbeirat beiwohnen und konnte selbst miterleben wie schwierig es ist, den Stadtrat auf Jugendprobleme aufmerksam zu machen. Wenn sich dort niemand für die Jugend interessiert, fehlt ihr auf allen Ebenen die Repräsentation, deshalb auch meine Kandidatur.
R: Du setzt dich unter anderem für Klimaschutz ein. Welche Maßnahmen hältst du lokal für besonders wichtig?
F: Zwei große Säulen, an welchen man bei kommunalem Klimaschutz schrauben kann, sind Verkehr und Energie- und Wärmeversorgung. Ersteres ist für mich ganz klar, Puchheim muss fahrrad- und fußgängerfreundlicher werden, hin zu einem Verkehr, welcher Menschen dient und nicht Autos. In der Energiefrage unterstützen wir lokale Energiegenossenschaften, um bürgernah und informativ, ohne kapitalistische Interessen großer Konzerne, erneuerbare Energieformen wie Wind- und Solarenergie zur bestmöglichen Selbstversorgung zu nutzen. Selbiges gilt für die Wärmeversorgung, wobei mir sehr wichtig ist, für kommende Projekte, wie das der Geothermie Förderung mit Germering und den SWM, Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen, ihre Ängste und Belange zu berücksichtigen und niemals über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden.
R: Wie stellst du dir ein jugendfreundlicheres Puchheim vor?
F: Definitiv eine größere Auswahl an Jugendprojekten, zugeschnitten auf unterschiedliche Altersgruppen. Das kann durch Auf- und Ausbau von Communities, wie der kleinen Sprayer oder Skater Szene unserer Stadt geschehen, aber auch durch die Kreation neuer Treffpunkte und Möglichkeiten als jugendliche Person den Alltag zu verbringen. Vor allem in sozial schwächeren Gegenden, wie der Kennedy-Siedlung um die Adenauer Straße, können Jugendangebote Kids von klein an auf der richtigen Bahn halten und sie vom Zwang in die Kriminalität fernhalten. So wäre auch der Kriminalitätsbekämpfung und der Sicherheit in Puchheim für alle auf lange Sicht geholfen und das viel effektiver, als diese Menschen zu verunglimpfen, benachteiligen und als Gesellschaft noch weiter auszugrenzen. Das macht das Problem nur noch schlimmer.
R: Warum ist es für dich wichtig, sich als junger Mensch gegen Rechts zu engagieren?
F: Eigentlich ganz einfach aus beispielsweise genau dem gerade beschriebenen Punkt: Wenn rechte Parteien und Meinungen die massenhafte Abschiebung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern fordern und sei es nur derer, die in die Kriminalität gerutscht sind, ist das in keinem Fall Ursachenbekämpfung, sondern stumpfer ideologisch propagierter Rassismus. Die Ursachen für Straftaten migrantischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sind niemals die Menschen selbst, sondern misslungene Integration, schlechte Lebensumstände bereits schon in der Kindheit oder tagtägliche Anfeindungen auf Grund äußerlicher Merkmale. Alles Sachen die wir als Gesellschaft und Politik ändern müssen, indem wir als Jugend gegen Rechts einstehen. Auch richtet sich Rechts gegen alles, was junge Menschen zukünftig betrifft: rechte Programmatik richtet sich gegen soziale Absicherung, auf die viele junge Menschen angewiesen sind oder sein werden, den menschengemachten Klimawandel, welcher die größte Bedrohung für unsere Generation darstellt oder auch die persönliche Selbstbestimmung, welche für eine erstarkte junge LGBTQ-Bewegung nichts als ein Schlag ins Gesicht ist. Und genau das zeigen junge Menschen auch in Juniorwahlen, es wird Zeit zu zeigen, dass die junge Generation ihre Zukunft selbst bestimmt.
R: Falls du gewählt wirst: Wie willst du Schule und Mandat miteinander vereinbaren?
F: (lacht) Das haben mich auch Freunde und Familie häufig gefragt, allerdings mache ich mir da wenig Sorgen. Sollte die Kandidatur erfolgreich sein, werde ich mich inmitten meiner Phase vom Abitur befinden, was vor allem den Wahlkampf vor der Wahl schwierig macht. Meine mögliche Tätigkeit im Stadtrat würde damit sowieso vor allem nach meinem Abschluss stattfinden, womit ich sogar mehr Zeit für das Amt habe, als manch andere ältere Kandidatinnen und Kandidaten.
R: Was möchtest du jungen Menschen vermitteln, die noch zögern, sich politisch einzubringen?
F: Findet gleichgesinnte, organisiert euch und fangt einfach an. Es gibt nichts was man falsch machen könnte, wenn man für Gerechtigkeit und die eigene Meinung einsteht, vor allem in unserer heutigen Zeit mit so viel Austausch und Netzwerken. Schaut am besten einfach mal in den sozialen Medien, was für Möglichkeiten der politischen Einbringung es bei euch gibt und zeigt lautstark wer wir sind: die Jugend, die endlich Veränderung für eine lebenswerte Zukunft fordert!
Die Redaktion

