Die letzten 12 Tage bis zum heiligen Abend und Weihnachtsfest zählt unsere Schülerzeitung dieses Jahr auf ganz besondere Weise, durch einen Adventskalender der Artikel. Jeden Tag ein neues Türchen, jeden Tag ein neuer Artikel, der auf der Schulhomepage hochgeladen wird.
An Tag 6 stellen wir euch ein Team vor, bei dessen Engagement sogar Santas Elfen neidisch werden. Mit 18 Jahren dürfen sich unsere vier Mitschülerinnen und Mitschüler stolz Jungunternehmer ihres eigenen Start-Ups nennen, mit dem Potential Hunderttausenden zu helfen…
Orduna – Schule, Start-Up und Soziales Engagement
von Soudaline Fahrmeir (im Interview mit Ella Ge und Tarik Kuč, Q13)
Orduna ist eine digitale Plattform, welche allen Menschen in Deutschland helfen soll, Bürokratie einfacher zu verstehen und managen zu können. Vorerst sind Migranten und Migrantinnen die Zielgruppe, da diese die meisten Probleme mit der deutschen Bürokratie haben.
Von Problemen mit der deutschen Bürokratie haben wir alle schon einmal etwas mitbekommen, doch hier sind diese besonders gravierend. Folgendes Szenario entsteht hier nämlich beispielsweise: Familien mit Migrationshintergrund bekommen Briefe nach Hause – die nicht einmal Leute, die in Deutschland aufgewachsen sind, verstehen würden – und müssen diese nun lesen und verstehen, sowie mitgelieferte Dokumente ausfüllen und zurückschicken. Und hier entstehen Probleme, wie z.B., dass ein Dokument falsch ausgefüllt wird, weswegen man dann privat Leute finden muss, die einem bei dieser sehr repetitiven Arbeit helfen müssen. Und hier setzen Ella, Tarik, Vlera, Alex und Sulaw an: Es soll eine einfache, nutzerfreundliche App geben, die einem schnell helfen kann. Der Slogan, den sie für ihren ersten Wettbewerb angaben, fasst das Projekt gut zusammen:
„Orduna vereinfacht deutsche Bürokratie für Migranten durch eine KI-gestützte App mit automatischer Formular- und Brieferkennung, mehrsprachiger Übersetzung und Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Von Steuererklärungen bis Behördenanträgen – alles in einer App mit Live-KI-Support für nachhaltige Integration und Partizipation.“
Den Namen Orduna haben sie sich selbst ausgedacht. Er kommt von dem lateinischen Wort Ordo, was Ordnung heißt, und sollte cool und prägnant sein. Und, ganz wichtig: Ihr Projekt sollte das erste sein, was auftaucht, wenn man Orduna im Internet recherchiert. Wenn man das jetzt macht, dann findet man – neben einer spanischen Stadt – einen Artikel über Ordunas Sieg beim Wettbewerb Start-Up Teens, wo sie den ersten Platz im Bereich Impact Entrepreneurship und ganze 10.000€ Preisgeld gewonnen haben. Doch wie kam es zu diesem ersten Erfolg?
Die Erfolgsgeschichte beginnt ungewöhnlich, nämlich bei einem Spaziergang während einer Schulexkursion. Gesprächsthema waren Start-Ups und wie beeindruckend es ist, wie diese es schaffen, Ideen schnell umzusetzen, sobald man ein Problem entdeckt, um dieses zu beheben. Nur ein kleiner Motivator fehlte, oder vielleicht eher ein erstes Ziel, welches erreicht werden sollte? Gut, dass das Team vom Wettbewerb Start-Up Teens gehört hatte! Nach wochenlanger Arbeit, Programmieren und auf der Straße Leute ansprechen konnten sie sich durch ein Voting das Ticket zum Finale in Berlin sichern… und dort dann den ersten Platz belegen – wohlverdient. Neben den 10.000€ gewannen die fünf Jugendlichen noch etwas anderes, nämlich Selbstvertrauen in das Team und das Projekt. „Wir haben doch das Zeug dazu, das zu gründen!“, meint Tarik, während er von der Realisation erzählt, wie sehr benötigt doch ein Tool wie Orduna ist, und dass sie es trotz mangelnder Erfahrung schaffen können.
Und wie funktioniert die Plattform Orduna? In der App gibt es die Möglichkeit, Dokumente hochzuladen und dort eine Zusammenfassung, Übersetzung in die eigene Sprache und eine To-Do-Liste zu erhalten. All das soll Menschen mit Migrationshintergrund die Bürokratie in Deutschland erleichtern. Das Erstellen der Inhalte passiert durch eine KI, welche vom Team selbst trainiert wird, um Fehlinformationen zu vermeiden – aber erst in der Zukunft, denn noch schaut das Team selbst drüber.
Noch ist die perfekte Version dieser App ein Ding der Zukunft, genauso wie die offizielle Gründung. Viel muss noch getan werden, die Arbeit ist noch nicht zu Ende – aber die Redaktion wünscht viel Erfolg!
Vier Schülerinnen und Schüler und ein Student – sie haben es geschafft, all diese Wegsteine bereits zu legen und beweisen, dass es durchaus möglich ist, auch ohne viel Erfahrung große Projekte anzugehen. Dauerhafte Deadlines, Klausurenphasen und Privatleben werden mit klarer Kommunikation im Team gemeistert, denn Stillstand ist für die fünf keine Option. Womöglich wirkt das nach sehr viel Arbeit, doch Ella zum Beispiel sieht Orduna auch als Teil ihrer Freizeit an, da „es [ihr] ja auch sehr viel Spaß macht“. „Solange [man] Spaß an etwas [hat], dann wird [einem] die Motivation nicht fehlen“, ergänzt sie sich selbst.
Auf die abschließende Frage, warum Orduna und damit soziales Engagement so wichtig sind lautet die Antwort von Tarik wie folgt. „Orduna soll endlich diesen Bürokratiedschungel – besonders für Migrantinnen und Migranten – lösen.“ Und Ella kann ihn nur noch ergänzen mit den Worten „Wir haben schon zu lange darauf gewartet, dass es eine Lösung hierfür gibt, und wir haben niemanden gesehen, der es angegangen ist. Dementsprechend müssen wir es wohl machen.“ Und damit hat sie so recht, denn warum herumsitzen und warten, wenn man selbst die Dinge in die Hand nehmen kann?
Wir wünschen Orduna auf jeden Fall weiterhin alles Gute, sowie viel Erfolg und eine gelungene Gründung.

