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Die letzten 12 Tage bis zum heiligen Abend und Weihnachtsfest zählt unsere Schülerzeitung dieses Jahr auf ganz besondere Weise, durch einen Adventskalender der Artikel. Jeden Tag ein neues Türchen, jeden Tag ein neuer Artikel, der auf der Schulhomepage hochgeladen wird.

An Tag 9 stellen wir euch unsere Mitschülerin Emma vor.

Emmas Spektrum – Inklusion durch Kommunikation

Von Emma Plakinger

Wenn von einer Autismus-Spektrum-Störung (kurz ASS) gesprochen wird, geht es oft nicht um Menschen, sondern um Vorstellungen. Um Diagnosen, Symptome, Defizite. In der Gesellschaft ist Autismus noch immer mit vielen Missverständnissen behaftet: Betroffene werden als gefühllos, arrogant, egoistisch – oder einfach nur schwierig wahrgenommen.

Manche denken an Genies, andere an überempfindliche Kinder, die „da nun mal durch müssen“. Was dabei verloren geht, ist die Realität: Autismus gilt offiziell als Behinderung – nicht, weil autistische Menschen „kaputt“ sind, sondern weil sie in einer Welt leben, die nicht für sie gemacht ist.

Diese Welt stellt Tag für Tag Herausforderungen, die neurotypische Menschen oft gar nicht wahrnehmen: Reize, die nicht gefiltert werden können, soziale Anforderungen, die weder verständlich noch erfüllbar sind. Und die Hürden, die daraus entstehen.

Autismus ist ein Spektrum.

Manche Menschen sprechen wenig, andere sehr viel. Manche brauchen klare Routinen, andere kreative Freiräume. Was sie verbindet, ist nicht ein Defizit, sondern eine andere Art der Wahrnehmung. Eine andere Art zu denken und der tägliche Kampf um Verständnis.

Vor mittlerweile zwei Jahren, im November 2023, mitten im Schuljahr, durfte ich zu meiner ersten Delfintherapie nach Curaçao reisen. Natürlich blieb mein Fehlen in der Schule nicht unbemerkt. Und mir war klar: Eine Erklärung wird erwartet. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste niemand von meiner Diagnose. Ich bekam Angst vor den Fragen, die ich kommen sah.

Denn Ausgrenzung entsteht durch Unwissen.

Wer sich unter Autismus nichts vorstellen kann, stempelt Betroffene oft als „andersartig“ ab – als etwas, mit dem man sich lieber nicht beschäftigen will. Meistens geschieht das nicht aus bösem Willen oder bewusster Ablehnung, sondern ganz unbewusst. Wenn man diese Unwissenheit aber gar nicht erst aufkommen lässt, wenn man erklärt, warum man ist, wie man eben ist, dann hat man eine reelle Chance auf Verständnis – damit geht man den ersten Schritt Richtung Inklusion.

Auf diesem Grundgedanken basiert auch Emmas Spektrum. Mit dem Leitsatz: Inklusion durch Kommunikation, hat sich innerhalb des letzten Jahres ein Projekt entwickelt, das weit über das Schulprojekt, das es anfangs war, hinaus geht.

Mit Emmas Spektrum möchte ich vor allem eines: Zeigen, wie es sich anfühlt, mit einer Autismus-Spektrum-Störung zu leben. Nicht als Fachperson, sondern als Betroffene, die ihre Realität als Autistin offenlegt. Mir geht es nicht darum, Autismus zu definieren, sondern darum, zu informieren und Verständnis zu wecken, das über Fakten hinausgeht und so einen Schritt Richtung Inklusion geht.

Im Sinne der Inklusion halte ich Vorträge für Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte, für Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter, sowie für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Ziel dieser Veranstaltungen ist ein Perspektivwechsel: Sie sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte wie Empathie, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt stärken – Werte, die wir auch als Schule vertreten.

Was als einzelner Vortrag begann, wurde schnell zu einem Familienprojekt. Nachdem das Interesse auch außerhalb von Puchheim stetig wuchs und immer mehr Menschen den Austausch suchten, entwickelte sich Emmas Spektrum weiter. In diesem Zusammenhang gründete meine Mutter, Steffi Plakinger, schließlich einen Verein.

Damit eröffneten sich uns neue Möglichkeiten – unter anderem die Einrichtung von Elternstammtischen und persönlichen 1:1-Gesprächen. Beide Formate bieten Eltern autistischer Kinder die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen, wertvolle Erfahrungen und Tipps zu teilen – niederschwellig, unverbindlich und auf Augenhöhe. Der Austausch wird bewusst von Betroffenen für Betroffene gestaltet, um Raum für ehrliche Gespräche zu schaffen, frei von Bewertung oder Erklärungsdruck. Denn manchmal braucht es keine Experten, sondern einfach Menschen, die zuhören und verstehen.

Inklusion beginnt mit einem Gespräch.

Emmas Spektrum möchte genau dieses Gespräch ermöglichen – ehrlich, empathisch und auf Augenhöhe. Denn wenn wir einander zuhören, können wir Barrieren abbauen. Und vielleicht entsteht daraus eine Welt, die ein bisschen mehr für alle gemacht ist.

Wenn du also interessiert bist, an dem Projekt an sich, oder an einem unserer Angebote, dann freuen wir uns auf den Austausch mit dir.

Website: www.emmas-spektrum.de