Anlässlich von 80 Jahren Frieden in Europa beteiligte sich unsere Schule auf Initiative der Stadt Puchheim an einer Gedenkaktion, in deren Rahmen 80 Kerzenständer gestaltet wurden. Auch das Fach Latein trug dazu bei, sodass Schülerinnen und Schüler unseres Lateinkurses (eA) zwei dieser Kerzenständer verzierten. Als klassisches Fach ist es uns besonders wichtig, durch die Vermittlung humanistischer Werte einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Dies beginnt bei jedem Einzelnen – insbesondere in der Begegnung mit Schriften, die zum Frieden mahnen:
Welche verderblichen Einflüsse der Krieg hat, zeigt sich schon zu Beginn der europäischen Literatur in Homers Ilias und der Odyssee. Wo dort noch die Gottheit schlussendlich friedensstiftend eingreift, sind wir heute selbst dazu aufgerufen, durch unser eigenes Handeln das friedliche Miteinander zu fördern – nicht zuletzt, indem wir das Wesen des Menschen analysieren und zu verstehen suchen.
So erinnert der römische Philosoph Seneca daran, dass dem Frieden zwischen Staaten der Friede im eigenen Seelenleben vorausgehen muss. Der menschlichen Natur eigen sei nicht nur die Friedfertigkeit, sondern auch die Erkenntnis, dass der Mensch zum gegenseitigen Wohlwollen geschaffen ist. Wer Krieg führe, so Seneca, habe sich von seiner eigenen Natur entfernt.
Knapp 1500 Jahre nach Seneca betritt einer der großen Europäer die Bühne: Erasmus von Rotterdam, dessen Name heute noch im Erasmus-Programm nachklingt, das die Zusammenarbeit von Schülern und Studierenden europäischer Länder fördert. Gemeinsames Arbeiten an Bildung ist demzufolge Friedenssicherung.
In einem seiner berühmtesten Werke lässt Erasmus die Friedensgöttin auftreten, die darüber klagt, dass die Menschen ihr kein Gehör schenken. Sie mahnt, dass man selbst an Bäumen und Pflanzen Freundschaft erkennen könne. Die Friedensgöttin zu verjagen und ihre Gaben zu verschmähen, um stattdessen einen Ozean an Übeln auf sich zu laden, sei eines Menschen schlechterdings nicht würdig.
Frieden ist damit etwas, das wir uns Tag für Tag neu erringen müssen. Das Studium lateinischer Schriften ist hierbei eine reichhaltige Quelle, aus der wir schöpfen können.
Andreas Weihe

